Ich selbst?

So kann das Ich nach Lévinas „durch den Anderen auf eine außergewöhnliche Weise in Frage gestellt werden. Nicht wie durch ein Hindernis, welches das Ich immer abschätzen kann, und auch nicht wie durch den Tod, den es sich ebenfalls geben kann; das Ich kann unter Anklage gestellt werden, trotz seiner Unschuld, sicherlich durch Gewalt, aber auch durch den Anderen, und zwar trotz der Trennung, in der es durch die Exklusivität und die Inselhaftigkeit des Psychischen belassen wird, durch den Anderen, der es als solcher dennoch >>besessen hält<< und der, Nächster und Fernster, ihm eine Verantwortung aufbürdet, die unabweisbar ist, wie eine Verwundung, eine Verantwortung, für die es keine Entscheidung getroffen hat, der es sich jedoch, eingeschlossen in sich selbst, nicht entziehen kann.[…] diesseits des Logos, vor-ursprünglich, Gesagten vorausgehend und das Unsagbare als Verantwortung,“

Dies stellt für Lévinas ein undeklinierbares Subjekt dar, „genau insofern es unersetzbarer Geisel für die anderen ist.“ […] Was an der Innerlichkeit am unaussprechlichsten oder unmittelbar ist und was sich nicht in einem Gesagten halten kann – ist eine Verantwortung, die früher ist als die Freiheit. Die Unsagbarkeit des Unaussprechlichen wird durch das Vorursprüngliche der Verantwortung, die jedem freien Engagement vorangeht, noch bevor es sich durch seine Unfähigkeit, im Gesagten zu erscheinen, beschreiben lässt.[1] Dies zeigt nach Lévinas eine „Dynamik“, „ein Aus-sich-selbst-Hinaus, hin auf das, was anders ist als es selbst, während die Philosophie es darauf anlegt, alles Andere in das Selbe hinein aufzuheben und die Anderheit zu neutralisieren“ und […] Selbst wenn das Leben der Philosophie vorausgeht, die zeitgenössische Philosophie sich anti-intellektualistisch gibt und auf diesem Frühersein der Existenz gegenüber der Essenz besteht.[…] Der Weg der Philosophie bleibt nach Lévinas der des Odysseus, dessen Abenteuer in der Welt nichts anderes als die Rückkehr zu seiner Geburtsinsel war – ein Sich-Gefallen im Selben, ein Verkennen des Anderen.[2]

 

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